
Nachdem ich die Gruppe verabschiedet hatte ging ich noch einmal ins Zimmer da es doch ziemlich früh und daher noch dunkel war. Im Zimmer kam dann später kurz etwas Panik auf „was wenn ich den Busbahnhof nicht finde, den Bus verpasse, er voll ist, in Jaipur am falschen Ort aussteige, keine Unterkunft finde, die Hochzeitseinladung nur ein Fake war, lauter wenn wenn wenn“. Ja ich habe schon ein paar Minuten solche Gedanken gewälzt aber als es dann zu viel wurde bin ich einfach losgegangen, schliesslich ist es ja nur eine Busfahrt. Also Taxi geschnappt zum Bikaner-House (Busbahnhof für Jaipur Express), ein Billet gekauft und kurz nach Acht fuhr der Bus dann endlich los.
Diese Busreise hätte auch der Gruppe gefallen, pünktlich zur Mittagszeit gab es den einzigen Stopp mit Verpflegung einem lokalen aber neueren Restaurant (eine Mischung aus indischem AutoGrill und Hochzeitsfest-location, also ganz schön sauber, gut, schnell und dazu noch günstig).
Während der Fahrt habe ich mir zur Vorbereitung die Empfehlungen des Loose Reiseführers für Jaipur angeschaut. Es ist also wirklich so: beim ersten Stop in Jaipur kommt sicher ein Rischkafahrer rein und pick sich die einzige Touristin raus und sagt dir laut Jaipur, in der Hoffnung dass er dir die noch weite Fahrt bis zum Zentrum/Bahnhof verrechnen kann. Also ruhig sitzenbleiben bis auch die letzten Passagiere aussteigen und der Busbahnhof erreicht ist.
Von dort fuhr ich zum Hotel Sunder Palace (wenn ich hier mal ein Zimmer buche dann dort), man hat mir sehr freundlich weitergeholfen bezüglich telefonieren und Adressbeschreibung resp. Transfer mit und zur Couchsurferfamilie. Kaum bei Sunny und Neela angekommen (20 Min Rischkafahrt, das nächste Mal steige ich bei der ersten Haltestation in Jaipur aus, – die ist nämlich gleich um die Ecke), wurde ich auch schon zur Familie des Bräutigams transferiert.
Ojeh, in T-shirt, mit Sandalen, flatternder Hose und Schal aber mit Helm, sass ich auf dem Sozius und durfte die indische Fahrweise um Rischkas, Autos, Motorräder, Löcher und Kühe voll geniessen. Ich weiss gar nicht wieso wir zuhause immer in voller Montur auf dem Töff sitzen 😉
Wiederum kaum angekommen wurde ich an Sawita übergeben eine weitere CS (Couchsurferin) welche sich dann die nächsten Stunden um mich kümmerte.
Wer es noch nicht gesehen hat: in Indien wird gleichgeschlechtlich „Händchen gehalten“, z.B. unter Männern, wenn sie zusammen die Strasse überqueren, sich nicht aus den Händen verlieren wollen oder einfach Gemeinschaft/Freundschaft zeigen aber natürlich unter Frauen, so hatte ich sehr oft an diesem Abend eine haltende Hand in und um Meine.
Das Brautpaar, sie 18 und er 23, eine arrangierte Hochzeit, welche sich in Liebe wandeln wird – wie es in der ganzen Familie/Region halt eben Brauch ist. Er war ziemlich nervös aber konnte wenigsten ein paar Brocken Englisch so konnten wir uns währen der Fahrt etwas unterhalten, ihr wurde ich erst am folgenden Tag vorgestellt und konnte nur meine Glückwünsche mitteilen.
Eine Hochzeit hier ist ein sehr langwieriges Prozedere von 2-7 Tage mit unendlich vielen Wartezeiten. Ich musste im Auto warten bis der Bräutigam kam, dann warteten wir auf seine Schwester, dann auf ich weiss nicht was bis wir zur Nähe des Festplatzes fuhren. Dort warteten bereits, die Leuchtenträger, Musiker und das Pferd und gemeinsam warteten wir bis er endlich aufsitzen konnte um seinen Ritt Richtung Zelt zu machen.
Ich kann es gar nicht beschreiben was da alles abgeht, ich habe selber ja nur ein paar Stunden miterlebt und einiges ist mir noch immer unklar.
Gegen 22 Uhr endlich konnten sich die Frauen der Familie dann auch mit Curries, Reis, Naan und wunderbaren Süssigkeiten verpflegen. Beim Wasser habe ich gepasst aber bei gewissen Speisen trotz vorsichtiger Gedanken zugeschlagen.
Danach fuhren wir mit der halben Familie im Bus zum Haus der Schwester des Bräutigams. Wo ich umgeben nur von den 18 Frauen noch einige traditionelle Tanzgesänge und Geschichten (zum Thema Mann und Frau in der Ehe), da braucht es keine Übersetzung dazu) vorgespielt wurde resp. mitmachen durfte. Vor allem die Grossmutter und Tanten waren echt süss, wir haben uns mit Herz, Händen und ein paar Brocken Sprache gut verständigt. Geschlafen habe ich dort mit einer der jüngeren Verwandten im Bett und eine weitere schlief mit ihren beiden Söhnen am Boden davor. Der Vorraum und auch in den weiteren Räumen waren alle Matten ausgelegt und im Erdgeschoss mit den Frauen und im oberen Stock durch die Männer belegt.
Die Familie ist eher dörflich und auch nicht reich und nur ganz wenige sprachen ein paar Wörter English. Ich habe die Herzensfreude und Gastfreundschaft angenommen und mir auch nicht soviel aus der anderen Umgebung und Lebensweise gemacht. Erst am nächsten Tag nachdem der Bräutigam schon wieder besungen und begrüsst wurde, hatte ich dann plötzlich ein Zuviel an Menschen, Gesänge, Lärm, Nähe, Schmutz, und das die beiden Jungs in die Ecke mit dem schmutzigen Geschirr und den Kübeln mit dem sauberen Wasser pinkelten war froh dass mich Sunny abholen kam. Er sagt, er habe es in meinem Gesicht gesehen dass nun die Grenze erreicht sei.























